Die Neuen Auftraggeber von Ummanz
Foto: Victoria TomaschkoDie Neuen Auftraggeber von Ummanz
Auftraggeber*innen: Detlef Diedrich, Karin Gundlach, Gabriele Heenemann, Lutz Peters (†), Peter Schüler, André Stoye, Elke Stoye
Auftrag: Europaweit befindet sich die Küstenfischerei in einer Krise, die zu ihrem Verschwinden führen wird. Wenn die Fischer ihre Existenzgrundlage verlieren oder sich ihr Berufsfeld wandelt, verschwinden die Erinnerungen und wertvolles Wissen geht verloren. Darum wollen wir, die Neuen Auftraggeber von Ummanz, eine Produktion in Auftrag geben, die voller Zuversicht und mit Humor die Leistungen der Küstenfischer und ihrer Familien anerkennt und für alle zugänglich macht. Denn der Fisch ist stumm aber der Fischer nicht!
Mediator: Susanne Burmester
Künstlerin: Amanda Piña
Projektträger: Kunstverein Rügen e. V. / Circus Eins Projekte
Zeitraum: 2025 fortlaufend
Partner: Kulturstiftung des Bundes
Programm: Tanz und Performance im Bürgerauftrag
Aktuell
Atlantic Undercurrent Circulation, Teil 1: Future Songs of Fish and People
Ein Projekt von Amanda Piña für die Neuen Auftraggeber von Ummanz
Samstag, 27.6.2026, Ummanz bei Rügen
Performance mit TogetherTogether Collective (NL) und anderen
Kostenfrei, keine Anmeldung nötig
Die Insel Ummanz westlich von Rügen war über Jahrhunderte ein Zentrum der lokalen Küstenfischerei. Doch die steht nun vor dem Verschwinden – wie an vielen anderen Orten in Europa. Industrielle Großfischerei und Landwirtschaft sowie der Klimawandel gefährden das ökologische Gleichgewicht, die Fangquoten sinken und die wirtschaftliche Basis vieler selbstständiger Fischer bröckelt.
Das traditionelle Handwerk der „kleinen Küstenfischerei“ mit seinen nachhaltigen Fangmethoden ernährt die Fischer und ihre Familien kaum noch. Dabei ist die Küstenfischerei mehr als nur ein Wirtschaftszweig – sie ist ein jahrhundertealtes kulturelles Erbe, das die Insel und ihre Menschen maßgeblich geformt hat – ihre Sprache, ihren Alltag, ihre Traditionen. Im März 2026 wurde die kleine Küstenfischerei zum immateriellen UNESCO Weltkulturerbe erklärt.
Die Neuen Auftraggeber von Ummanz
Inselansicht Ummanz Foto: Victoria Tomaschko
Die Neuen Auftraggeber von Ummanz
Inselansicht Ummanz Foto: Victoria Tomaschko
Die Neuen Auftraggeber von Ummanz
Fischer Detlef Diedrich von der Auftraggebergruppe Foto: Victoria Tomaschko
Die Neuen Auftraggeber von Ummanz
Fischer Detlef Diedrich von der Auftraggebergruppe Foto: Victoria Tomaschkoder Auftrag
Die Neuen Auftraggeber von Ummanz wollen die Küstenfischerei in den Blick rücken – mit einer künstlerischen Produktion, die ihre Geschichte, ihr Wissen und ihren Wandel erfahrbar macht. Die Küstenfischer eint ein tiefes Verständnis für ökologische Zusammenhänge und die Zyklen der Natur, handwerkliches Geschick und unternehmerisches Gespür. Mit dem Rückgang der Fischerei droht ihr über Generationen weitergegebenes Wissen zu verschwinden. Mit einem Kunstwerk sollen die Küstenfischer und ihre Familien für ihre Leistungen gewürdigt und ihre Bedeutung für alle erlebbar gemacht werden.
Die Auftraggeber*innen fragen: Wie verändert sich eine Region, wenn die Küstenfischerei verschwindet? Wie können wir ihr immaterielles Erbe erhalten, welche Geschichten müssen dazu erzählt, welche Bilder bewahrt werden? Wie können nachhaltige Wirtschaftsweisen erhalten und weiterentwickelt werden? Und welche neuen Perspektiven ergeben sich daraus für unsere Zukunft? Darauf wünschen sie sich eine künstlerische Antwort – und zwar eine, die bleibt.
„Der Fisch ist stumm. Wenn die Fischer ihre Existenzgrundlage verlieren oder sich ihr Berufsfeld wandelt, verschwinden die Erinnerungen und wertvolles Wissen geht verloren.“
Aus dem Auftrag
Die Neuen Auftraggeber von Ummanz
Auftragsunterzeichnung 21.2.2025, Ummanz Foto: Victoria Tomaschko
Die Neuen Auftraggeber von Ummanz
Auftragsunterzeichnung 21.2.2025, Ummanz Foto: Victoria Tomaschko
Die Neuen Auftraggeber von Ummanz
Auftragsunterzeichnung 21.2.2025, Ummanz Foto: Victoria Tomaschko
Die Neuen Auftraggeber von Ummanz
Auftragsunterzeichnung 21.2.2025, Ummanz Foto: Victoria TomaschkoDie Künstlerin
Für diesen Auftrag hat die Gruppe mit Amanda Piña die passende Künstlerin gefunden. In ihren Arbeiten macht sie unterdrücktes, verlorenes oder nicht gesehenes Wissen als Erfahrung für viele neu zugänglich. Seit 2014 erforscht sie im Rahmen ihres Langzeitprojekts Endangered Human Movements den Zusammenhang zwischen dem Verlust biologischer und kultureller Vielfalt. Ihre Recherche widmet sich überlieferten Bewegungspraktiken, die über Jahrhunderte hinweg weitergegeben wurden und heute vom Verschwinden bedroht sind – darunter auch Gesten und Materialien, die mit Fischereitraditionen und dem Leben an der Küste verbunden sind.
Ihren Performances, Videos, musikalischen und skulpturalen Arbeiten liegt außerdem eine Haltung zugrunde, die nicht nur Menschen, sondern auch andere Lebewesen, Dinge, Landschaften oder Kräfte als Mitgestalter*innen einer gemeinsamen Welt begreift – und darüber nachdenkt, wie sich daraus neue Formen von Verantwortung und Gemeinschaft ergeben.
Amanda Piñas Arbeiten wurden weltweit in Theatern, Museen und Kulturzentren präsentiert, darunter die Kunsthalle Wien, die Fondation Cartier pour l’art contemporain in Paris, das mumok in Wien, der deSingel Arts Campus in Antwerpen, Kunstenfestival des Arts in Brüssel, das Museo Universitario del Chopo in Mexiko und das GAM in Santiago de Chile. 2024 hatte Piña die Valeska-Gert-Choreografie-Professur an der Freien Universität Berlin inne und ist aktuell Beiratsmitglied des Studiengangs Kuratieren in den szenischen Künsten der Paris Lodron University Salzburg, der Freien Universität Berlin und von Szenische Forschung Bochum. Sie ist zudem Gründerin von Instituto Tropical, einer künstlerischen Initiative zu den Beziehungen von Kunst und öko-sozialer Transformation sowie von Fortuna – Verein zur Förderung nachhaltiger Kunst, unterstützt von der Kulturabteilung der Stadt Wien.
Die Neuen Auftraggeber von Ummanz
Amanda Piña, Künstlerin Foto: Bea Borgers„Ich fühle mich diesem Auftrag sehr verbunden: In Mexiko und Chile, wo ich herkomme, sind Meeres-Ökosysteme und Küstenfischerei ebenfalls stark bedroht – allen voran von Rohstoffindustrien und Monokultur-Wirtschaft, die den Klimawandel vorantreiben. Das muss sich ändern.“
Amanda Piña
Amanda Piña arbeitet kollaborativ, auch an öffentlichen Orten und jenseits klassischer Bühnenräume. Für ihre performativen Arbeiten denkt sie immer auch Formen der Langlebigkeit mit. Mit einer sinnlichen, farbenfrohen und oft transmedialen Ästhetik, der Einbindung traditioneller Elemente und der Verbindung von lokalen mit globalen Fragen schaffen ihre Werke vielfältige, mitreißende Zugänge. Das entspricht einem Wunsch der Auftraggebergruppe: Die künstlerische Arbeit soll Alteingesessene, Zugezogene und Gäste gleichermaßen einbeziehen und auch zukünftige Generationen ansprechen. Sie soll außerdem mit Humor und Zuversicht arbeiten.
Die Neuen Auftraggeber von Ummanz
Besuch der Künstlerin Amanda Piña, 14.9.2025, Ummanz Foto: Susanne Burmester
Die Neuen Auftraggeber von Ummanz
Besuch der Künstlerin Amanda Piña, 14.9.2025, Ummanz Foto: Susanne Burmesterdas werk
Amanda Piña reagiert mit der dreigliedrigen Arbeit Atlantic Undercurrent Circulation auf den Auftrag. Sie setzt darin den lokalen Kontext von Ummanz und dessen jahrhundertealte Prägung durch die Boddenfischerei mit globalen ökologischen Prozessen und ozeanischen Kulturen in Beziehung. Benannt ist das Projekt nach einem vom Klimawandel bedrohten System von Meeresströmungen, das maßgeblich das Wetter in Europa bestimmt sowie Ozeane, Spezies und Küstengemeinschaften weltweit in einem fragilen Netzwerk verbindet.
Auftakt und Kern des Werks bildet ein kollektives Ereignis am Samstag, 27. Juni 2026, auf Ummanz mit internationalen Performer*innen und Menschen aus der Region. Unter dem Titel Future Songs of Fish and People werden Wissen und Arbeit der Boddenfischer in einer Prozession mit gestalterischen Elementen und Klängen und einer öffentlichen Zeremonie geehrt. Eine choreografische Sequenz mit „lebenden Skulpturen“ orientiert sich an den Bewegungen von Korallen, Plankton und anderen, meist unsichtbaren marinen Mikroorganismen und verwandelt Fischereimaterialien in fließende Formen.
Formen und Materialien dieser Performance verstetigt Amanda Piña anschließend im öffentlichen Raum von Ummanz. Sie erinnern an das Ereignis, setzen bedrohtem Meeresleben ein Denkmal und bieten Möglichkeiten zum Sitzen, Versammeln und Verweilen.
Als drittes Element verbindet Piña Videoaufnahmen der Performance mit Bildern der Ummanzer Landschaft, marinen Ökosystemen und Stimmen von Fischern, Wissenschaftler*innen und lokalen Expert*innen. Piña folgt dabei den Wanderungen von Arten wie dem Europäischen Aal und dem Hering – einst „Brotfische“ der Region – und stellt sie in den Kontext von Klimawandel und geografischen und ökonomischen Strömen zwischen Globalem Süden und Globalem Norden. Die Videoinstallation erweitert das lokale Ereignis über Ummanz hinaus und öffnet es für künftige Öffentlichkeiten.
DIE NEUEN AUFTRAGGEBER VON UMMANZ
Visualisierung für "Atlantic Undercurrent Circulation" von Amanda Piña © Michel Jimenez für Fortuna – Verein zur Förderung nachhaltiger Kunst
DIE NEUEN AUFTRAGGEBER VON UMMANZ
Visualisierung für "Atlantic Undercurrent Circulation" von Amanda Piña © Michel Jimenez für Fortuna – Verein zur Förderung nachhaltiger Kunst
DIE NEUEN AUFTRAGGEBER VON UMMANZ
Visualisierung für "Atlantic Undercurrent Circulation" von Amanda Piña © Michel Jimenez für Fortuna – Verein zur Förderung nachhaltiger Kunst„Der Fisch ist stumm. Wir wünschen uns eine Produktion, die Erzählungen, Erfahrungen und handwerkliche Arbeitsabläufe der Küstenfischer erlebbar macht.“
Aus dem Auftrag
Die Neuen Auftraggeber von Ummanz
Auftragsunterzeichnung 21.2.2025, Ummanz Foto: Victoria Tomaschko
Die Neuen Auftraggeber von Ummanz
Foto: Victoria Tomaschko
Die Neuen Auftraggeber von Ummanz
Auftragsunterzeichnung 21.2.2025, Ummanz Foto: Victoria Tomaschko„Wir wollen die Stimme der Küstenfischer hören und die Bilder ihrer Arbeit und ihres Lebens in unseren Erinnerungsschatz aufnehmen. Denn der Fisch ist stumm aber der Fischer nicht!“
Aus dem Auftrag