Die Neuen Auftraggeber von Schlutup

Auftraggeber*innen: Dörte Diercks, Anika Dyllus, Carolin Freidank, Sandra Grunwald, Sarah Helms, Wiebke Hildebrandt, Christiane Klempau, Sylvia Partzanka, Nicole Schäfer


Auftrag: Unter dem Titel HINNEHMEN beauftragen wir ein ortsbezogenes Werk, das in Schlutup auf langjährige industrielle Leerstände und Brachflächen der Privatwirtschaft aufmerksam macht. Wir wünschen uns eine künstlerische Arbeit, die Machtlosigkeit von Bürger*innen benennt, aber zugleich den Moment eines Kipppunkts markiert: vom Feststellen der Situation zum Tun, vom Weg- oder Übersehen zur klaren Ansprache. Vom Sich-Arrangieren und -Abfinden zum Benennen von Verantwortung, von Passivität zu Ermächtigung und Aktion. 


Mediation: Pascal Simm


Zeitraum: 2026 fortlaufend


Partner: Kulturstiftung des Bundes


Programm: Tanz und Performance im Bürgerauftrag


Alte Zäune, leere Hallen, überwucherte Flächen: Wenn große Unternehmen ihre Produktionsstandorte schließen, zeugen die Areale, auf denen früher einmal gearbeitet wurde, heute oft von Stillstand, Vernachlässigung und einer unklaren Zukunft. So zum Beispiel in Schlutup, einem Stadtteil am Rand von Lübeck. 

Die Neuen Auftraggeber von Schlutup wollen nicht einfach akzeptieren, dass großindustrielle Nutzung in der Regel private Gewinne erwirtschaftet, die Folgen aber in vielen Fällen von der Allgemeinheit getragen werden. Mit ihrem Auftrag stellen sie sich einer unbequemen Frage: 

„Warum nehmen wir sichtbaren Stillstand, teilweise auch schleichende Vernachlässigung, Verfall und Verödung bestimmter Stellen unseres Stadtteils einfach hin?“

Aus dem Auftrag

Drei Personen schauen durch einen Zaun eines Industriekomplexes.

Die Neuen Auftraggeber von Schlutup

Foto: Felix König
Backsteinwand mit Fenstern mit geschlossenen Rollläden und alten Schildern.

Die Neuen Auftraggeber von Schlutup

Stillgelegtes Fabrikgelände Foto: Felix König
Metallzaun mit einem Schild "Tor 4", dahinter eine Straßenflucht mit niedrigstöckigen  Gebäuden

Die Neuen Auftraggeber von Schlutup

Stillgelegtes Fabrikgelände Foto: Felix König

Ein Kunstwerk soll Wege zu mehr Protest, Handlungsraum und Wirksamkeit zeigen – nicht nur für Schlutup, sondern auch für andere Orte in ähnlichen Situationen. Mit einem Performance- oder Tanzstück will die Gruppe Aufmerksamkeit dafür schaffen, dass Brachflächen nicht „neutral“ sind: Sie beeinträchtigen den Stadtteil, hemmen Entwicklungen und können – wenn nichts geschieht – dazu führen, dass weitere Flächen brach fallen. 
 

„Uns interessiert eine Form von Performance, die Fragen nach Verantwortung und Eigentum stellt.“

Aus dem Auftrag

Vier Personen sitzen im Freien an einem Tisch. Eine Person greift über den Tisch.

Die Neuen Auftraggeber von Schlutup

Auftragsunterzeichnung, 29. April 2026, Schlutup Foto: Felix König
Eine Gruppe sitzt draußen in der Abendsonne an einem Tisch.

Die Neuen Auftraggeber von Schlutup

Auftragsunterzeichnung, 29. April 2026, Schlutup Foto: Felix König
Eine Gruppe sitzt draußen an einem Tisch in der Abendsonne und unterhält sich.

Die Neuen Auftraggeber von Schlutup

Auftragsunterzeichnung, 29. April 2026, Schlutup Foto: Felix König

Die Gruppe will zusammen mit Mediator Pascal Simm und einer künstlerischen Persönlichkeit nach den Interessen hinter dem Stillstand fragen und herausfinden, wie man sich zu etwas verhält, das kein klares Gegenüber bietet. 

Dabei geht es den Auftraggeber*innen um mehr als bloße Kritik: Zentral sind für sie Handlungsspielräume. Die künstlerische Arbeit soll bei der Erfahrung von Ohnmacht ansetzen – und den Moment vom Hinnehmen zum Benennen, vom Ausweichen zur Auseinandersetzung, von Passivität zu Handlung markieren. Mit Formen der Wiederbelebung und punktueller Neubestimmung soll das Werk erproben, was an den heute noch stillen Brachen in Zukunft möglich ist.